25.5.2019

„Geradeaus kann doch jeder"

Tag der Nachbarn: Besuch von nebenan zu Gast bei der Künstlerstadt

 

geradeaus 2

Corinna Köbele informiert die Gäste über das Projekt „Kulturhof“   Foto: Künstlerstadt Kalbe e.V.

Einfach mal bei den Nachbarn über den Zaun gucken. Schauen, wie sie
so sind und leben und ticken: Genau das soll der Tag der Nachbarn
möglich machen. Die deutschlandweite Aktion wird jährlich am 24.
Mai gefeiert. Die Künstlerstadt-Mitglieder nutzten die Gelegenheit,
sich auch mal mit den Nachbarn zu treffen.

 

 

Von

Gesine Biermann

Kalbe • Die Idee ist simpel: Nachbarn, die sich sonst nie sehen, obwohl sie Tür
an Tür wohnen, sollen sich gegenseitig besser kennenlernen. Die Künstlerstadt
Kalbe hat diese Idee gestern aufgegriffen und eingeladen. Einfach mal so. Es gibt
Kaffee und Kuchen auf dem Hof, ein Grill ist schon angeheizt und auch ein
Musiker ist da, um für Stimmung zu sorgen.
Die ist aber ohnehin gut. Etliche Besucher sind gekommen, um sich das große
Projekt des Vereines mal anzuschauen.
Nicht nur aus der nahen Nachbarschaft in Kalbe, auch aus anderen Orten in der
Umgebung. Vereinschefin Corinna Köbele führt sie herum. Vor allem durch die
vielen Räume der aktuellen „Baustelle" des Vereines. Und sie erzählt über den
Baufortschritt, den das Domizil macht.
„Der Türsturz der hier rein musste, hat uns über 2000 Euro gekostet. Und er war
nicht eingeplant", sagt sie gerade. Das gesamte Ensemble gegenüber der Kirche
ist denkmalgeschützt und soll wieder hergerichtet werden. Ein mutiges und
teures Unterfangen.
Und dennoch verliert Köbele ihr Lächeln nicht. „Wenn alles gut geht", und sie
gehe davon aus, „wird es wohl im Mai nächsten Jahres fertig sein." Dann solle
hier der Dreh-und Angelpunkt für das Vereinsleben sein.
So mancher der Gäste, die der Vereinsvorsitzenden durch die Räume folgen,
schaut skeptisch, angesichts der desolaten Gemäuer. Aber es ist wohl keiner
dabei, der nicht irgendwie auch voller Bewunderung für die zierliche kleine Frau
ist, die sich offenbar so gar nicht erschüttern lässt.

Auch nicht von den aktuellen Problemen auf der Baustelle. Handwerker, so
macht Köbele klar, seien derzeit nämlich kaum zu bekommen, „und wenn, dann
sind sie sehr teuer." Dafür würden die Eigenleistungsstunden der Vereinsmitglieder
und ihrer Helfer -die sind für die Förderung nötig - wiederum nur
in einen Geldwert von 6 Euro pro Stunde angerechnet, so Köbele. Aber selbst da
verliert sie ihre gute Laune nicht, erzählt lieber von den vielen Sponsoren, die
der Verein mittlerweile hat. „Wir haben wirklich ein paar große Fische im Boot",
versichert sie stolz. „Und wir haben sehr gute Unterstützung, auch auf politischer
Ebene. Die Künstlerstadt habe einen guten Namen. „Das kriegt man, wenn
man hier so in Kalbe herumläuft, gar nicht so mit."
Von den „Nachbarn", die gestern dabei sind, stellt auch das keiner in Abrede.
Jana Weinhold, kaufmännische Leiterin in der Kalbenser Media-Klinik, die auch
unter den Gästen ist, findet nach der Führung einen beeindruckenden Satz: „Unglaublich,
wie sie das anpackt", sagt Weinhold: „Geradeaus gucken, kann
schließlich jeder."

 

© Volksstimme, Gardelegener Kreisanzeiger,25.5.2019, S.20

 

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