24.10.2017

"Man sieht nur mit dem Herzen gut"

Alexander Netschajew rührte mit Geschichte „Der kleine Prinz" zu Tränen / Benefizveranstaltung für den Theatersaal

 

 

Kalbe (cn) • Dieser Mann, er kriegt sie alle. Wenn Alexander Netschajew, so wie am Sonntagabend in Kalbe, Texte vorträgt, hören die Menschen nicht nur aufmerksam zu, sie entwickeln Emotionen. Und so sind nicht wenige der Besucher in den „Ratsstuben" zu Tränen gerührt, als Netschajew die Geschichte „Der kleine Prinz" aus der Feder von Antoine de Saint-Exupery zu Ende erzählt hat. „Ich hätte noch stundenlang zuhören können", sagt eine sichtlich ergriffene Corinna Köbele. Der unter ihrem Vorsitz agierende Künstlerstadt-Verein ist es, der Alexander Netschajew eingeladen hat. Und nicht nur dessen Mitglieder sind etwas enttäuscht über die zahlenmäßig recht geringe Resonanz auf die Lesung. Denn sie ist nicht nur hochkarätig besetzt - beim vortragenden Künstler handelt es sich immerhin um den scheidenden Intendanten des Stendaler Theaters der Altmark -, sondern sie ist auch und vor allem eine Benefizveranstaltung zugunsten des Theatersaales im Kalbenser Kulturhaus. Dieser ist seit Jahrzehnten aus bautechnischen Gründen gesperrt. Corinna Köbele und ihre Mitstreiter haben sich vorgenommen, ihn aus dem Dornröschenschlaf zu holen - auf der Basis eines Gutachtens, aus dem hervorgehen soll, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um den Saal mittelfristig wieder nutzen zu können. Immerhin bietet er nicht nur rund 400 Sitzplätze, sondern auch einen Orchestergraben und eine riesige Bühne. Anschubfinanzierung für bautechnisches Gutachten Die Vorsitzende des Künstlerstadt-Vereins ist optimistisch, dass es gelingen kann, das Geld für nötige Sanierungsmaßnahmen zusammenzubekommen. Das, was am Sonntagabend eingenommen worden ist, ist hingegen erst einmal für besagtes Gutachten gedacht, das laut Köbele etwa 2800 Euro kosten würde. Eigentümerin des Kulturhauses ist die Stadt. Und die wiederum war die einzige Kommune in der Altmark, die einst positiv auf einen Bittbrief des Stendaler Oberbürgermeisters zur Mitfinanzierung des Theaters der Altmark reagiert hatte. Deshalb fühlt sich Alexander Netschajew ihr verbunden. Auch die Geschichte vom kleinen Prinzen handelt von gegenseitiger Unterstützung. Sie ist zwar schon 1943 veröffentlicht worden, aber heute aktueller denn je. Ihre Kernbotschaft lautet: „Man sieht nur mit Herzen gut. Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar."

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Diejenigen, die zur Benefizveranstaltung für den Theater-saal erschienen waren, zeigten sich im Anschluss begeistert. Allerdings blieben am Sonntagabend auch viele Stühle leer. Fotos: Conny

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Kaiser Alexander Netschajew, scheidender Intendant des Theaters der Altmark, ließ sich nicht beirren. Er hatte nicht nur sich und seine Vortragskunst, sondern auch einige Illustrationen aus dem Buch dabei.

 

© Volksstimme, Gardelegener Kreisanzeiger, 24.10.2017, S. 18