24.10.2017

Auf Reisen mit dem kleinen Prinzen

Alexander Netschajew las Literaturklassiker in Kalbes Ratsstuben / Spendensammlung für Theatersaal

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Alexander Netschajew, Intendant des TdA, trug in den Kalbenser Ratsstuben den Klassiker „Der kleine Prinz" vor.


koe Kalbe. Große Leute haben eine eigenartige Vorliebe für Zahlen. Sie fragen stets nach Dingen wie „Wie alt ist er? Wie viele Brüder hat er? Wieviel wiegt er? Wieviel verdient sein Vater?", statt nach dem Wesentlichen, wie „Wie ist der Klang seiner Stimme? Welche Spiele hebt er am meisten? Sammelt er Schmetterlinge?". Das Wesentliche, das ist für die Augen unsichtbar, man sieht nur mit dem Herzen gut. Das erfuhr der kleine Prinz von dem Fuchs, den er auf der Erde traf. Und dann spürte er es - dass auch in einem ganzen Feld gleich aussehender Rosen, seine eine Rose für ihn etwas ganz besonderes und mit den anderen nicht gleich zu setzen war. Als der kleine Prinz seine Hülle auf der Erde zurücklässt, um zu seinem Asteroiden B612 zurückzukehren, soll sein Menschenfreund nicht traurig sein. Die Sterne werden ihn an den kleinen Prinzen erinnern. Nun, nicht traurig zu sein, als sich der Erzähler in Antoine de Saint-Exupeiys Klassiker „Der kleine Prinz" von eben jenem verabschiedet und sechs Jahre später in die Sterne blickt, fiel den Zuhörern schwer, die am Sonntagabend in den Kalbenser Ratsstuben saßen und Alexander Netschajew aufmerksam zuhörten, bis die letzte Seite gelesen war. „Es war so berührend" und „einfach wunderschön" sagten die Gäste zueinander, als sie sich von den Stühlen erhoben. Das war es wahrlich, was nicht nur an dem Geschriebenen lag, sondern auch am Interpreten, der die Geschichte las und frei vortrug. Der Intendant des Theaters der Altmark (TdA) hatte sein Publikum in den Bann gezogen, es mitgenommen auf die Reise des kleinen Prinzen. Die Lesung war die erste Benefizveranstaltung zur Reaktivierung des Theatersaals in Kalbes Kulturhaus, wofür sich die Künstlerstadt Kalbe einsetzt. Es muss zunächst ein Brandschutzgutachten erstellt werden, was 2800 Euro kostet. Für die Reaktivierung kämen wohl noch 25 000 Euro hinzu. Da ist man also wieder, in der von Zahlen dominierten Welt der großen Leute. Das soll aber kein Hindernis sein, denn der Theatersaal in Kalbe wäre wenn wieder nutzbar, so gut wie einzigartig in der Altmark, wusste Netschajew.

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Völlig gebannt war das Publikum. Und am Ende der Lesung sagt« man zueinander „So berührend" und „Einfach wunderschön".

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© Altmark Zeitung,24.10.2017, S.6