Raum und Zeit für Künstler

POTENTIALE Festival für ländliche Entwicklung, zeitgenössische Musik und Improvisation in Kalbe

 

Raum und Zeit für Künstler

Das Potentiale fand zum zweiten Mal in Kalbe statt Verschiedene Workshops, Konzerte und Ausstellungen konnten sich Besucher an vier Tagen ansehen und mitmachen.

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Umweltministerin Dr. Claudia Dalbert (2.v.l.) eröffnete am Freitag mit Corinna Köbele, Steffen Roth und Rüdiger Eichholtz offiziell das Festival. FOTOS: BOCK (7), KOERDT (2), TSCHAKYROW (1)

VON INA TSCHAKYROW

 

Kalbe - Mit dem Potentiale möchte er Raum und Zeit für Künstler schaffen, sagte Steffen Roth, der musikalische Leiter des Festivals, das die Künstlerstadt Kalbe in Zusammenarbeit mit Rüdiger Eichholtz vom Verein „Kulturprojekte Niederrhein" zum zweiten Mal ausgerichtet hat. Los ging es am Donnerstagabend mit der Vorstellung der Residenten - also derer, die das ganze Wochenende spielten, innerhalb von Solokonzerten. Gestern Nachmittag endete das Festival. Dazwischen gab es zahlreiche Begegnungen zwischen Besuchern und Künstlern.
„Es entsteht eine Dynamik", so Steffen Roth. Denn manche Künstler kennen sich bereits, andere nicht Einige haben sich vorab entschlossen, in Formationen aufzutreten. Wie zum Beispiel André Meisner und Achim Tang, die am Freitagabend in der Festscheune das Saxofon und ein Kontrabass erklingen ließen. Und dann standen in den Programmheften an vielen Stellen neben den Künstlern Fragezeichen. Beim Potentiale, so der Gedanke, sollen sich neue Formationen spontan zusammenschließen, so entsteht improvisierte Musik. Das Potentiale sei kein normales Festival, sagte Dr. Claudia Dalbert Landesministerin für Umwelt Landwirtschaft und Energie, bei der offiziellen Eröffnung am Freitagabend. Es gebe nicht nur Musik, sondern auch bildende oder Handwerkskunst die in Workshops erlernt oder in Ausstellungen angesehen werden kann. Durch das Aufeinandertreffen von Künstlern und Besuchern können sie sich gegenseitig inspirieren. „Und ihr Potenzial entdecken", erklärte Claudia Dalbert vor der Nikolaikirche in Kalbes Altstadt. Was vor Ort mit dem Festival stattfinde, sei „herausragend für die Entwicklung des ländlichen Raums". Die Zukunft liege hier, denn 97 Prozent der Fläche von Sachsen-Anhalt ist ländlich, erklärte die Ministerin, Weil die Entwicklung entscheidend ist werden kreative Ideen wie das Potentiale gebraucht, so Dalbert.
In der Tat waren es weitestgehend Besucher von außerhalb, aus Großstädten wie Berlin oder Leipzig und auch viele aus Nordrhein Westfalen, die beim Potentiale-Festival, dessen Schwerpunkt zeitgenössische Musik ist die Mildestadt entdeckten. Einen idyllischen, romantischen Ort wie von vielen zu hören war, den sie sich einfach so vermutlich nie angesehen hätten. Genau darum gehe es letztlich auch - um "Brücken bauen", so Rüdiger Eichholtz. Er organisiert seit vielen Jahren das Moers-Festival mit, welches bald 50. Jubiläum feiert und heute hunderttausende Besucher anlockt einst aber fast genauso klein anfing wie das Potentiale. Es steckt also in jedem kleinen Anfang viel Potenzial für eine Entwicklung.

 

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Els Wandeweyer nahm mit Trinkjoghurtflaschen und Dosen auf ihrem Vibraphon die Konzertbesucher in der katholischen Kirche mit in ihre Klangwelten.

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Ein ungewöhnliches Cello-Spiel bot Elisabeth Coudoux bei ihrem ersten Soloauftritt dar.

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Die Besucher des Potentiale kamen vor allem von außei halb, unter anderem aus Dresden, Leipzig, Berlin.

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Auf dem Kirchplatz gleich neben dem bunten Strick-Tipi hatte sich eine Gruppe mit ihrem Zelt häuslich eingerichtet.
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Paul Fellner(l.) aus Dresden schmiedete zusammen mit Dietrich Weber einen "heißen" Schlüsselanhänger.

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Steffen Roth ist nicht nur musikalischer Leiter des Festivals, sondern gab auch selbst Konzerte am Schlagzeug.

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André Meisner (links) und Achim Tang spielten in der Festscheune mit Saxofon und Kontrabass anspruchsvolle Musikstücke.

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Inge Zenker aus Siedengrieben bot einen Kräuter-Workshop an.

© Altmark Zeitung, Kalbe, 24.6.2019, S.6

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pressebericht

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  © Künstlerstadt Kalbe e.V.

 

  © Künstlerstadt Kalbe e.V.

Workshop-Leiter Achim Tang mit seinen experimentierfreudigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Der fallende Tischtennisball, das Eingießen von Wasser in einen Behälter oder der zugeführte Luftstrom in eine Glasflasche waren die Quellen für die dabei entstehenden Klänge. In der einstudierten Abfolge und Kombination entstand ein interessantes Gesamtklanggebilde.

Landschaft als Musikpartitur

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  © Künstlerstadt Kalbe e.V.

 

  © Künstlerstadt Kalbe e.V.

Eine 25m-lange Textilcollage beinhaltete die ungewöhnliche Klangpartitur. Els Vandeweyer brachte diese Idee mit nach Kalbe. Die musikalischen Einsätze waren schnell erklärt und lösten bei den Beteiligten Begeisterung aus.

 

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Den Konzertmitschnitt vom Vorabend gleich mal unter qualifizierter Anleitung schneiden, verändern und abspeichern. Eine der angebotenen Möglichkeiten der freundlichen coloRadio-Macherinnen, dem freien Radio aus Dresden.

  © Künstlerstadt Kalbe e.V.

  © Künstlerstadt Kalbe e.V.

Ein erfrischender Abschluss

Als besondere Überraschung zum Abschluss des Festivals gestaltete sich die Sprachimprovisation von Jaap Blonk. Stimmgewaltig sprach er dem Publikum Sätze in einer unbekannten Sprache vor, die es zu wiederholen galt. Das klappte natürlich nicht gleich so hundertprozentig, doch Spaß hatten wohl alle. Man kann ja noch probieren - eigene Potentiale entdecken.

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Bilder vom Festival