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Die Künstlerstadt Kalbe begegnet mittels Kunst und Kultur den Folgen des demografischen Wandels. Wir bringen "Fülle in die Hülle", schaffen Bleibeperspektiven verbessern die Lebensqualität der hier Lebenden und ermöglichen Zuzug.
 

 

15.10.2020

Von Schneckensex bis Daumenkino

Landesliteraturtage in Kalbe: Magdeburger Autoren machen die Liebe zum Thema

 

Kalbe (dc)• Mal ist sie stürmisch und voller Leidenschaft, mal ist sie zaghaft und zärtlich, dann wiederum voller Euphorie. Sie kann aber auch unerfüllt und voller Enttäuschung daherkommen. Von all diesen Facetten der Liebe berichteten am Dienstag in der Galerie „die 8" in Kalbe die „Schreibkräfte" fünf Autoren aus Magdeburg. Im Rahmen der Landesliteraturtage waren sie beim Künstlerstadt-Verein zu Gast. Autorin Conny Habisch ging in ihren Texten auf die Veränderung der Liebe ein. Sie berichtete vom Sofa, auf dem sich das Paar geküsst und geliebt hatte. Dort hat es gestritten, geredet, gelacht, Weinflaschen geöffnet. Und plötzlich sitzen beide da und spüren nur noch die Leere. Das Zimmer ist ein Vakuum geworden. Von endlosen Monologen der Geliebten, die unbedingt erfahren will, ob sie von nun an die einzige Frau an der Seite dieses Mannes bleibt, erzählte Karsten Steinmetz. Vom hysterischen Fragen mit geröteter Haut wie im Fieber sprach er. Von der verzweifelten Ahnung, dass intime Momente zerredet werden. Und dann die abrupte, ungeahnte Auflösung. Steinmetz schilderte keine Eifersuchtsszene, kein Besitzergreifen. Seine Protagonistin hatte sich vergiftet. Allein daraus resultierte die Gemütswandlung.

Mit Lichtinstallationen

Schneckensex wiederum war Thema bei Sandra Meyer und Regine Sondermann. „Fühler trifft Fühler, Schleimfläche auf Schleimfläche", hieß es da. In eher wissenschaftlich anmutenden Fragmenten, gepaart mit sexistischem Wortschatz, beschrieben sie im Dialog den Liebesakt des Zwitterwesens, der durchaus 24 Stunden anhalten könne. Uli Wittstock nutzte für seine Text zwischenmenschlicher Beziehungen Elemente des Hörspiels. Er las die Geschichte vor. Die Dialoge spielte er per Band ab. Die Lesung endete nach eineinhalb Stunden mit Gedanken zur Nacht aus den „Erinnerungen meines Daumenkinos", wie Karsten Steinmetz und Herbert Beesten gemeinsam rezitierten. Und das in der dunklen Galerie, erhellt nur durch eine Lichtinstallation der Künstlerin Elvira Chevalier.

 

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Conny Habisch erzählte, was von der Liebe übrig bleibt.

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Karsten Steinmetz gehörte ebenfalls zu den Autoren der „Schreib­kräfte" aus Magdeburg. Fotos: Doreen Schulze

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Uli Wittstock nutzte für seine Lesung Elemente des Hörspiels.

 

 

© Volksstimme, Gardelegener Kreisanzeiger, 15.10.2020, S. 17